Nov 24

Die Bayern, Schwaben und Franken haben ihr liebstes Wort gewählt. Endlich mal eine Wahl für die sich niemand entschludigen muss.

Die Siegerworte:

Gesamtbayerisch: “fei”
Begründung der Jury:

Es ist ein verstärkendes Funktionswort, ungefähr übersetzbar mit “wirklich”, “wohl” oder “doch”. “Fei” sei “ein gutes Beispiel für die Farbigkeit des als grobschlächtig verkannten Bayerischen”, meint Helmut Lengtat und widerspricht damit auch zu Recht dem verbreiteten Zerrbild der vulgären Mundart.

Beispielsätze:
I hab Di fei liab. (Ich liebe Dich wirklich sehr).
Du gell fei Freindle (Paß blos auf Du!)

Altbairisch: “dantschig”
Weil ich das Wort nicht kenne (toller Sieger!) hier die Begründung der Jury:

Emotion transportiert auch das altbayerische Wort “dantschig”. Stefan Hofrichter begründete seine Liebe zu diesem Wort so:
Der Ausdruck zeige alle positiven Eigenschaften von Mädchen und jüngeren Frauen in einem zusammen, nämlich “ihre innere und äußere Schönheit, ihr Lächeln, ihren Humor und ihren scharfen Verstand”.

Beispielsätze:
Entfallen weil ich das Wort nicht kenne!

Fränkisch: “Gnärzla”
Kannte ich vorher auch nicht. Begründung der Jury:

Auch die Beschreibung des kulinarischen Genusses eines einfachen Stücks Brot wurde mit einem Hauptpreis bedacht: das fränkische Wort “Gnärzla” – der Anschnitt des Brotlaibs – vermittelt Ingrid Meister “ein Vorgefühl des Genusses, in ein rösches, gut durchgebackenes Anfangs- oder Endstück eines mit Butter bestrichenen oder auch trockenen Bauernbrotes hineinzubeißen und es zu kauen”.

Im schwäbischen sagt man dazu übrigens “Giggl”
Beispielsatz:
I krieach des Gnärzla. (Ich bekomme den Anschnitt)

Schwäbisch-allgäuerisch: “schdriala”
Mein Mutterdialekt. Das Wort hat verdient gewonnen. Auch wenn ich “Noschlupferle” besser gefunden hätte.
Ach ja, die Begründung der Jury:

Das schwäbisch-allgäuerische Siegerwort “schdriala” vermittelt auf besonders anschauliche Weise die Fähigkeit der Mundart, in Kürze einen Sachverhalt darzustellen, für den die Standardsprache weitaus mehr erklärenden Aufwand treiben muss: Maria Schultz erläutert: “Wer in meinen Schubladen oder in meiner Handtasche rumschdrialt, der wühlt in meinen Sachen und tut das hinter meinem Rücken und ohne dass ich es weiß, auf der Suche nach irgendetwas, meist nichts Bestimmtem, einfach aus Neugierde! Wenn ich es höre, sehe ich im Geist unbefugte Finger in meinen Behältnissen wühlen”.

Beispielsätze:
Schdrial do et rum! (Hier hast Du nix zu suchen!)

Das Siegerwort gibt übrigens auch ganz gut die schwäbisch-allgäuerische-Grundeinstellung wieder. Das aber nur mal so am Rande.

11 Responses to “Mundart: Gewählt ist gewählt.”

  1. bek sagt:

    “fei” war schon immer mein liebstes bayerisches wort.
    aber erklär das mal einem nicht-bayern.
    ich hab das vor einiger zeit mit einem hessen versucht. nach drei stunden konnte er “fei” immer noch nicht richtig in einen satz einbauen…

  2. Marcus sagt:

    “fei” ist ja auch unglaublich universell. das macht es natürlich sehr kompliziert. aber das universellste wort, dass die algäuischen-schwaben haben ist äed.
    punktum. wäre auch ein würdiger sieger geworden.

  3. Marcus sagt:

    äed oder aed kommt gar nicht vor in der Wortliste
    http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/bayerisches-wort/worte.xml
    Skandal, oder?

  4. ntropie sagt:

    Lieblingswörter meiner Herkunftsgegend:
    - Killefit
    - Tinnef
    - Trallafitti
    - toffte/töffte
    - bekakeln

  5. Marcus sagt:

    *ACHTUNG RANDGRUPPENHUMOR!*
    keine fissematenten hier. saupreis ruhrpottischer….
    *RANDGRUPPENHUMOR_ENDE*

    ich hoffe mal, ich lieg nicht daneben. oder hat tinnef mich in die flasche richtung gelockt.

    und: wo bleibt die übersetzung? ich will wissen was Trallafitti ist…

  6. ntropie sagt:

    Kein Tinnef. Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt…

    Trallafitti: (feucht)fröhliches Beisammensein; um die Häuser ziehen; cruisen; clubben.

    Korrekte Anwendung nur mit “auf” (wie “auf Schalke”, “auf Maloche”). Beispiel: “Boa glaubsse, dem Heinz seine Perle is auch imma auf Trallafitti, leck mich anne Fott.”

  7. Marcus sagt:

    der grönemeyer mit seinem alten song/platte. wusst ichs doch.

    und stichwort korrekte anwendung: geil. ich gacker noch immer. allerdings wahrscheinlich nur, weil ich die passage “leck mich anne fott” flasch übersetzt habe.

  8. ntropie sagt:

    Fott = Gesäß (und sonst nichts!)
    Die korrekte Übersetzung des Beispiels lautet demnach: “Wusstest du schon, dass Heinzens Lebensabschnittsgefährtin abends des öfteren (womöglich alleine) ausgeht? Das erscheint mir leicht suspekt.”

  9. Marcus sagt:

    Ich fand meine Version auch nicht schlecht. Und außerdem lag ich nicht so weit daneben. Rein anatomisch gesehen.

  10. Timm sagt:

    dantschig – wo kumt denn der Schmarrn her. des kennt ja koa oide Sau ned!

  11. micha44ww sagt:

    zu “tinnef” fällt mir ein:

    Gnärzla=Knäusken

    dann gibts noch “knifte”= mit Butter bestrichenene Brotscheibe,
    oder “dubbel”= 2 Scheiben Brot belegt,aufeinandergelegt und mittig durchgeschnitten,

    Prollschale= Currywurst mit Pommes rotweiss(ostdeutsch Pommes Schranke)
    Prollschale deLuxe= Jägerschnitzel mit Pommes Majo

    Für ein besseres Leben!

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