
Saatfeind Nummer 1: Ein Rabe
Den Text hab ich schon länger mal geschrieben. Heute hab ich ihn zufällig mal wieder entdeckt. Ich finde ihn ganz nett, deswegen poste ich ihn mal hier. Vielleicht kurz zur Vorgeschichte: Damals war ich mal für ca. 6 Wochen arbeitslos. Der Text gibt Erlebnisse (alles wahr. ich schwöre) und Empfindungen des ersten Tages wieder.
9:00 Uhr – Verdammt. Sohn und Frau schlafen noch immer. Bin schon seit einer Stunde wach und langweile mich. Werde jetzt mal AA machen.
9:30 Uhr – Ahh, fertig. Jetzt kann der Tag beginnen. Sohn mittlerweile durch die Geräusche aus dem Bad geweckt. Er ist mir dafür sicher dankbar. Frau ist auch wach – allerdings nicht besonders dankbar. Werde die beiden morgen zärtlicher wecken müssen.
9:45 Uhr – Zum ersten Mal seit Jahren schwinge ich mich auf mein Fahrrad, um zum Bäcker zu fahren.
9:45 Uhr und 15 Sekunden – Gebe entkräftet auf und schiebe das Rad zurück in die Garage. Morgen werde ich es wieder versuchen.
9:50 Uhr – Beim Bäcker Semmeln und eine Bildzeitung erstanden. Und: Bäckerei-Fachverkäuferin so verwirrt, dass Sie mir zu viel rausgegeben hat. Sehr gut. Werde meine Taktik morgen noch mal verbessern, und versuchen noch mehr rauszuholen.
9:55 Uhr – Kaffee, Semmeln und Brezen – ein zufriedener Sohn – hach der Tag ist schön.
10:15 Uhr – Frühstück beendet – Sohn pennt – Frau ist noch immer zornig wegen der Art sie zu wecken – Erste Langeweile kommt auf….werde mal die Dachrinne sauber machen.
10:30 Uhr – Voller Motivation riesige Leiter aufgebaut. Mit Spachtel und Eimer bewaffnet wage ich mich an den Aufstieg.
10:31 Uhr – Vor Angst wie gelähmt klammere ich mich an der Dachrinne fest. Ist höher, als ich dachte…
10:32 Uhr – Verkrampfungen lösen sich langsam wieder auf. Kann sogar eine Hand von der Dachrinne nehmen. Sehr gut. Beginne mit der Säuberung.
10:32 Uhr – Erste blutende Wunde. Flüche, Abstieg. Lasse mich von Frau verbinden und ordere ein deftiges Mittagessen. Harte körperliche Arbeit macht hungrig.
10:35 Uhr – Steige wieder auf. Bin genervt. Werde den Versuch das Rauchen aufzugeben auf morgen verschieben. Steige wieder ab und rauche erstmal.
10:40 Uhr – Todesmutiger Wiederaufstieg. Warte darauf das die Angst-Krämpfe sich lockern. Beginne dann mit der Arbeit.
10:45 Uhr – Entdecke einen Mega-Knochen in der Dachrinne. Frage mich, wie der da hinkommt. Erste Verdächtige: Frau oder Sohn. Könnte aber auch der verdammte Rabe gewesen sein, der mich beobachtet. Verjage ihn mit dem Knochen.
10:50 Uhr – Dachrinne nicht so verschmutzt wie gedacht. Schon fast fertig. Der Rabe ist wieder da. Hat einen Stein im Schnabel – Frage mich, was er damit will.
10:51 Uhr – Dachrinne auf der Nord-Seite gereinigt. Rabe hat noch immer Stein im Schnabel und trippelt über den Dachfirst in meine Richtung. Argh, jetzt weiß ich, was er vor hat. Er lässt den Stein übers Dach in meine Richtung kullern. Möchte damit wahrscheinlich Lawine auslösen und mich töten.
Stein hat mich knapp verfehlt. Steige ab. Mache Plan zur Erlegung des Raben. Werde ihn morgen in die Tat um setzten
12:30 Uhr – Dachrinne an der Süd-Seit gereinigt. Blute aus unzähligen kleinen Wunden an der Hand. Rabe hat mich die ganze Zeit beobachtet – aber: Keine Anschläge mehr mit Steinen. Scheint die Gefahr zu spüren, in der er sich befindet. Morgen wird er sterben!
12:40 Uhr – Mittagessen. Sehr gut. Die Wunden an meiner Hand brennen ein wenig. Rabe sitzt auf dem Dach gegenüber. Scheint mich zu beobachten.
13:03 Uhr – Kreuzworträtsel in der Bildzeitung in drei Minuten komplett gelöst. Brauche ein größere Herausforderung. Werde mir morgen in der Bäckerei ein Rätselheft besorgen.
14:00 Uhr – Will Reifen am Rad aufpumpen. Stelle fest, dass der Rabe auf den Sattel gekackt hat. Verdammt. Er muss sterben!
14:40 Uhr – Langweile. Werde mich jetzt duschen und dann zum Billard fahren. Die Arbeitslosigkeit beginnt sehr viel versprechend….
PS: Für alle Tierschützer. Aufgrund großen Drucks höherer Instanzen (Frau/Sohn), lebt der Rabe auch heute noch. Wir pflegen aber eine innige Feindschaft.
tagebuch
lange nicht mehr so gelacht (doch, bei der aktuellen opel tigra werbung); sehr, sehr witzig…
so mein erster trackback (ever) und mein erster kommentar auf deiner neuen seite. noch zwei fragen: 1) das bleibt jetzt hier fix, ich muss also nicht mehr deine seite bei blogg.de angucken? 2) du schreibts auf jeden fall was über john irving, auch wenn anders abgestimmt wird, oder? 3) hast du noch mehr tagebucheinträge?
Wenn ich jetzt wüsste, was ein trackback ist, wäre sicher noch geehrter.
Antworten
1: Ja, das bleibt jetzt fix. Eine Woche lange werde ich die Einträge noch doppelt posten. Ich denke mal, nächste Woche werde ich komplett umschalten. Muss mich noch schlau machen, wie das mit RSS und Zeug funktioniert.
2: Hey, das ist eine basisdemokratische Entscheidung. Da will ich nichts vorweg nehmen. Aber: Egal wie es ausgeht. Der Eintrag für und über John Irving ist schon fast fertig.
3. Klar.
Tagebuch eines Arbeitslosen
Gerade bei bluphod.net gesehen: Das Tagebuch eines Arbeitslosen. Sehr witzig geschrieben! Kann Arbeitslosigkeit nicht immer so unterhaltsam sein? Nein? Schade!
Kuckt auch mal die Seite an viel Lustiger
[...] , Blitze und Donner, viele weitere dramatische Effekte) auch: Das Rabenparadox genannt!!! Treue Leser kennen mein gespaltenes Verhältnis zum Raben. War das ein Zeichen? Ist das eine Laune der Natur? [...]
[...] Kolibris Der Penis – das unbekannte Wesen Schwule Giraffen Penis-Begriffe Das Rote Meer Aus dem Tagebuch eines Arbeitslosen… Kommentar Schreiben [...]
[...] gibt eine Rubrik, die meinen Blog vor langer Zeit mal groß gemacht. Die Rede ist von den Tagebüchern eines Arbeitslosen. Heute möchte ich eine neue Serie beginnen. Das Tagebuch einer Renovierung [...]
Lasch. Einzig die Anspielung auf die Bild-Zeitung hat noch einen kleinen Reiz ausgelöst.
wir haben auch schon lange nicht mehr so gelacht…*lach*!!!
Echt mal lustig…..
aber der ARME ARME ARME ARME rabe *g*…ne ne schon richtig so!!!
weiter so…