Je länger ich als Arbeitgeber tätig bin, desto mehr bewahrheiteten sich die Weisheiten von Jakob Formann, dem Held aus dem Buch “Hurra wir leben noch” von Johannes Mario Simmel. Man mag über den Autor jetzt denken was man will, ich für meinen Teil liebe Herr Simmel seit ich “Es muss nicht immer Kaviar sein” zum ersten Mal gelesen habe.
Warum ich das schreibe? Nun, nehmen wir mal an, ich wäre bisher allen meinen Mitarbeitern nach bestem Wissen und Gewissen begegnet. Nehmen wir noch mal weiter an, ich hätte einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin eingestellt, die der Liebe wegen nach Augsburg gezogen wäre. Nehmen wir doch mal weiter an, die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter hätte sich dann, so nach vier Wochen wieder von der neuen Liebe getrennt.
Jetzt denken wir mal weiter nach. Die Dame oder der Herr, wäre also extra aus Hamburg, Bremen oder Berlin nach Augsburg gezogen. Hätte bei mir/uns zufällig einen Job bekommen, und würde sich jetzt wieder trennen und wäre deswegen am Boden zerstört. Zu allem überfluss ist der Mitarbeiter auch noch alleinerziehend.
Ich/wir denke dann natürlich, dass es meine Pfilcht als Arbeitgeber ist, der Dame oder dem Herren zu helfen. Ich tue das ohne groß darüber nachzudenken. Ich gebe der Person einen Kredit, damit die neue Wohung, bei deren Suche ich geholfen habe, auch eingerichtet werden kann. Andere Mitarbeiter helfen in ihrer Freizeit beim UmzugEbe. Freunde des Unternehmens helfen ebenfalls unentgeldlich. Ist doch klar, schließlich hilft man ja gern. Und weil man ja auch die soziale Verantwortung für die Mitarbeiter hat, ermöglicht man Ausnahmen bei der Arbeitszeit damit das Kind auch gut versorgt werden kann.
Das Ende vom Liedes: Die Person beschließt den Job zu kündigen und wieder zurück in die Heimat zu gehen. Eine Entscheidung, die man ja sofort nachvollziehen kann. Man spricht, man zeigt Verständnis, kommt als Arbeitgeber entgegen und löst alles möglichst unbürokratisch. Man kennt sich ja. Und man hat ja geholfen. Wer wird denn da zicken machen und zum Beispiel den Kredit nicht zurück zahlen? Eben. Wie man in den Wald schreit, so hallt es zurück.
So eine Scheiße! Lest “Hurra wir Leben noch”. Aus dem Gedächtnis geschrieben sagt Herr Formann, nachdem alle seine Arbeitnehmer, die er immer vorblich behandelt hat streiken:”Du könntest ihnen goldene Kloschüsseln geben, aber am Ende würden sie auch darüber motzen und sagen, du hast sie nur ausgebeutet!”.
Ich könnte jetzt noch ein zwei andere Geschichten erzählen, die zwar meinem Karmapunktkonto gut getan, dem Bankkonto aber immer geschadetet haben. Und dann könnte ich hoffen, dass sie hier Kommentatoren zu Wort melden, die sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Ob ich das aber wirlich will und ob mir das wirklich hilft, weiß ich noch nicht. Genauso wenig, wie ich weiß, ob ich den Eintrag hier wirklich lange stehen lasse werde…
ich würde dich hier gern beruhigen. allgemeinplätze wie “undank ist der welten lohn” kommen nicht von ungefähr. und du hast dir deine schilderung zugrundelegend nichts vorzuwerfen.
a little ot:
ich hab seinerzeit mal eine recht junge teamassistentin eingestellt. schlecht ausgebildet ich bildete mir aber ein, durch den job zum einen ihr selbstwertgefühl und auch ihre fähigkeiten zu verbessern.
in ihrer zweiten arbeitswoche musste sie ihren arbeitsplatz verlassen, weil eine ihrer katzen junge werfen würde und sie hatte sie nicht von den anderen katzen getrennt – und die wiederum würden nun gefahr laufen, die jungen zu töten. und dabei bräuchte sie doch das geld, dass durch den verkauf der katzenbabys erzielt würde.
das unternehmen für das ich als gründungsmitglied quasi kostenneutral arbeitete, musste nun also auf die rückendeckung der bezahlten teamassistentin verzichten, weil jene nicht in der lage war ihre privaten probleme aus dem job herauszuhalten.
mir ist klar, dass das nur eine kleinigkeit ist. nicht der rede wert. “fahr halt heim, kümmer dich um die katzen. niemand muss sterben, weil du ans telefon gehen musst.”
aber für mich zeigt das ein grundsätzliches einstellungsproblem. es scheint vielen arbeitnehmern nicht bewusst, dass sie trotz oder gerade wegen ihrer festanstellung eine verantwortung dem team gegenüber haben. jeder hat seinen hut auf und wenn ein einzelner bereich nicht läuft, kann das alle anderen gefährden. und daran hängen im zweifel viele leute und ihre familien.
es nervt. und man kriegt immer wieder einen reingedrückt. aber nicht aufhören auch freund zu sein. sonst ist man plötzlich unternehmer.
..und imho ..lösch den artikel lieber.
Oh. ärgerlich. Aber gut zu hören das es so vorbildliche Arbeitgeber gibt. Nicht unterkriegen lassen und vom schlechten Beispiel die ganzen guten vermiesen lassen.