
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt.
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Zur Erklärung: Diese Geschichte trug sich vor einigen Jahren zu. Damals war ich nicht arbeitslos. Trotzdem lasse ich sie mal in dieser Rubrik laufen.
18:00 Uhr: Mache mich vom Büro aus auf den Weg zur Weihnachtsfeier in der Stadtmitte.
18:10 Uhr: Suche Parkplatz
18:20 Uhr: Ich finde keinen Parkplatz ich komm zu spät zu Dir mein Schatz. Blöder Grönemeyer Song.
18:30 Uhr: Finde riesen Parklücke auf fast leerem Parkplatz. Einparken problemlos. Fühle mich großartig. Warum ist hier so wenig los? Egal.
18:45 Uhr: Betrete noble Lokalität. Kellner ist schwul und Kellnerin Maria sieht aus wie ein Kerl. Nettes Lokal.
20:00 Uhr: Essen wird serviert. Maria knallt Teller auf den Tisch. Kellner tänzelt mit Netz-T-Shirt durch die Reihen.
20:10 Uhr: Erfahre gerade, dass die Portionen in vermeintlich guten Restaurants immer so klein sind.
20:15 Uhr: Maria schüttet Rotwein über die weiße Bluse meiner Tischnachbarin.
20:17 Uhr: Nutze das Tohuwabohu und klaue ein Stück Fleisch vom Teller der Tischnachbarin.
20:20 Uhr: Kellner in Netz-T-Shirt will mir meinen Teller wegnehmen. Knurre hungrig.
20:21 Uhr: Tischnachbarin meint Portionen sind viel zu groß. Knurre: Nur für Weiber und Schwule.
20:25 Uhr: Freude schöner Götterfunken, Fleisch auf meinem Teller ist. Ich zerschneide freudetrunken, dieses schöne Heiligtum.
(Zur Erklärung: Der Schwule hat mir einen neuen Teller voller Fleisch gebracht. Werde ihn in Zukunft als Freund bezeichnen)
20:35 Uhr: Endlich satt. Kellner holt Teller. Singe ihm die zweite Strophe der Ode an die Freude vor.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
20:36 Uhr: Kellner weint vor Glück, oder Scham.
20:37 Uhr: Bemerke einen strengen Geruch als Maria meiner Tischnachbarin Wein nach schenkt. Kann jetzt auch die dritte Strophe anbringen:
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
20:38 Uhr: Aua. Maria versteht wenig Spaß.
22:20 Uhr: Der Kellner im Netz-T-Shirt sucht auffällig meine Nähe. Legt mir beim nachschenken die Hand auf die Schulter. Vertreibe ihn mit weiterem Schiller-Zitat:
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
23:00 Uhr: Beschließe das Lokal zu verlassen. Schlendere beschwingt zum Parkplatz.
23:15 Uhr: Erreiche Parkplatz. Er ist jetzt mit einer Kette abgesperrt. Verdammt. Verdammt. Verdammt.
23:17 Uhr: Kein Ausweg. Rufe Frau an. Sie kommt mich abholen.
23:20 Uhr: Saukalt. Setze mich ins Auto. Lasse Motor laufen. Im Radio verkünden Sie Temperaturen von Minus 15 Grad. Soll heute die kälteste Nacht des Jahres werden.
23:30 Uhr: Penner öffnet die Tür. Sagt: „Saukalt draußen“ und setzt sich ins Auto.
23:30 Uhr: Entsetzen. Ein Penner sitzt in meinem Auto.
23:32 Uhr: Habe sämtliche Schimpfworte verbraucht, die mir einfallen. Penner noch immer da. Habe schreckliche Angst.
23.35 Uhr: Penner ignoriert mich völlig. Beschließe das Gleiche zu tun.
23:40 Uhr: Penner trinkt einen Schluck Wein.
23:45 Uhr: „Danke fürs Aufwärmen“, sprach der Penner, öffnete die Tür und verschwand in die Nacht.
23:50 Uhr: Frau erreicht den Parkplatz. Will mir die Geschichte mit dem Penner nicht glauben. Glaubt ich sei betrunken.
ich finde die geschichte ja immer wieder gut… ;)
ja, aber ich hatte damals echt angst. einen stinkenden penner des nachts plötlich im auto sitzen zu haben, ist nicht witzig. wirklich nicht.
[...] chechisch “Penner” und Selbst