Gestern hat es wieder eine Computer Zeitschrift erwischt. Die PC Professionell wird eingestellt. Einige werden es vielleicht wissen, den anderen sei an dieser Stelle gesagt – in meinem früheren Leben war ich mal Redakteur einer Computerzeitschrift. Darum verfolge ich diesen Markt noch immer recht aufmerksam. Und darum finde ich es schrecklich, das jetzt es jetzt wieder ein renommiertes Magazin weniger gibt.
Natürlich war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es die Pro erwischt. Und es wird nicht das letzte IT-Magazin sein, das eingestellt wird. Zurecht übrigens, denn die meisten IT-Zeitschriften sind schlecht.
Nicht das wir uns falsch verstehen, einige dieser Hefte sind wirklich gut gemacht. c’t, chip, PC-WELT und einige andere Publikationen sind durchdacht und werden mit teilweise sehr großem Aufwand produziert. Dennoch gehen sie, zumindest in meinen Augen, am Markt vorbei.
Die Redaktionen sind gefangen in althergebrachten Strukturen, jagen Hypes hinterher, die im wirklichen Leben keine sind und müssen wollen über Produkte berichten, die eigentlich niemand haben will.
Nehmen wir doch zum Beispiel mal die “Wohnzimmer-PCs” (Stichwort Media-Center von Microsoft). Da schrieb sich die gesammelte Journalie die Finger wund über ein Produkt, dass sich die wenigsten der sogenannten “Fachleute” selbst ins Wohnzimmer stellen wollten. Trotzdem habe ich übrigens nicht einen einzigen guten Artikel zu diesem Thema gefunden.
Auf der anderen Seite bleiben wirklich nützliche Neuerungen unerwähnt. Als Beispiel sein an dieser Stelle einfach mal RSS erwähnt. Oder XML – weder dem einen noch dem anderen Thema haben sich die Computerzeitschriften wirklich gewidmet. Rühmliche Ausnahme ist hier hin und wieder die c’t. Doch da halte ich es wie mit dem Spiegel. Guter Ansatz, aber ich will keine achtzehn Seiten zu XML lesen.
Sinn und Zweck einer (Computer)Zeitschrift für den Mainstream sollte es sein, das Thema auf weniger als sechs Seiten verständlich darzustellen. Eigentlich muss es so erklärt werden, dass schon eine Seite genügt. Und bevor jetzt hier geunkt wird – ich weiß, dass die c’t für Profis gemacht wird. Nur glaube ich, dass unter den c’t-Lesern gerade mal 30 Prozent echte Profis sind.
Ach und übrigens könnte man endlich auch mal die Rassentrennung in der IT-Welt aufgeben. Warum lese ich in den klassichen Generalisten wie chip, und PC-WELT nix (oder nur sehr sehr eingeschränkt) über Apple oder andere Alternativen zu Microsoft und co? An den Anzeigen-Abteilungen liegt es sicherlich nicht. Weder Microsoft noch Apple belegen die Computer-Zeitschriften mit großer Vorliebe oder üben besonderen Druck auf die Verlage aus.
Und dann ist da noch die Sache mit den Heft-CDs, DVDs oder den Filmen. Um es mit den unsterblichen Worten von Grönemeyer zu sagen: Was soll das?
Klar, ich weiß, die meisten würden wahrscheinlich nur noch halb so viele Hefte verkaufen, wenn sie auf eine Heft-CD oder andere Beigaben verzichten würden. Spannend, oder? Im Umkehrschluss heißt das nämlich auch, dass die Hefte nicht wegen der Redaktion, sondern nur noch wegen der Gimmicks gekauft werden.
Und das ist auch mein Eindruck. Die meisten Redaktionen sind austauschbar. Noch einmal. Ich meine damit nicht, dass die Jungs nur Pressemeldungen abtippen oder keine Ahnung von dem haben, was sie da schreiben. Nein. Sie sind einfach in ihren Strukturen gefangen.
Das ist nämlich das Hauptproblem der Computer-Medien. Während der Computer sich weiter entwickelt hat und zu einem universellen und äußerst nützlichen Begleiter geworden ist, haben die Computerzeitschriften irgendwann Mitte der 90er-Jahre aufgehört sich zu entwickeln.
Es wird Zeit, dass sich mal ein Verlag darüber Gedanken macht, was der Leser wirklich will. Es wird Zeit für ein Projekt, das die ausgetretenen Pfade verlässt. Und genau da wird es schwierig. Denn ich glaube nicht, dass auch nur ein Verlag den Mut hätte so ein Projekt umzusetzen. Und genau darum wird es eine wirklich neue Zeitschrift wahrscheinlich nie geben. Und das ist sehr schade.
PS: Und das die PC-WELT in ihrer aktuellen Ausgabe groß über usnet berichtet, obwohl ich mich sehr gut an einen Artikel in der selben Zeitschrift erinnern kann, in dem damals vor genau diesem Dienst gewarnt wurde, habe ich noch nicht mal erwähnt.
[...] hat Marcus in seinem Blog mal aufgeschrieben. Die wichtigsten [...]
da bin ich gleicher meinung wie du! Ich finde es schade um die PC prof, denn das war noch eine der besten (Test-)Zeitschriften. Aber was ich wiederum finde, hat sich die Redaktion zu sehr darauf festgebissen und dann ging die Zeitschrift einfach zu sehr in die eine Richtung.
Die ct’ ist mir persönlich, teilweise wirklich zu komplex geschrieben (dazu muss man sagen, dass ich schüler bin, der im September eine Ausbildung als Fachinformatiker beginnt). Wieso soll ich mir aber eine Zeitschrift kaufen, aus der ich gerade mal die Hälfte verstehen kann?
Zur Zeit lese ich die com!, mit der ich eigentlich soweit zufrieden bin. Allerdings stelle ich fest, dass sich genau wie oben aufgezeigt alles zu sehr auf Windows konzentriert ist und vieles in folgenden Heften immer wieder wiederholt wird. Die Tipps zu Windows XP kennt ja mittlerweile schon jeder auswendig.
Die Chip und auch andere Hefte sind meiner Meinung zu sehr mit Werbung belastet und die “Lesergewinnung” durch die Heft-CDs geht teilweise schon sehr weit.
Mal sehen wie sich PC-Zeitschriften in der Zukunft entwickeln, aber vermutlich werden sie wohl im Welt des Internets zunehmend abnehmen und vielleicht sogar verschwinden. Ich find’s schade!
So können die Geschmäcker unterschiedlich sein. Ich habe die c’t gerade nach fast 20 Jahren abbestellt, weil sie mir *zuwenig* auf die Profis ausgerichtet ist, sondern inzwischen das halbe Heft für irgendwelche Home-Entertainment-Sch***e verwendet und sich die Themen derart im Jahresrythmus wiederholen, dass ich mit verbundenen Augen die Cover-Themen bis Oktober 2008 aufsagen könnte. Nutzwertigkeit regiert. Nicht wirklich ein Attribut das man einer “Profi-Zeitschrift” gibt.
Wann gab es den letzten 17seitigen Artikel in der c’t zu XML? Gerade alles Zeug in Sachen Web-Scripting/-Programmierung et al. taucht in der c’t knapp ein Jahr später auf, nach dem alles in der US-Szene schon zu Tode diskutiert wurde. Abgesehen von der Programmierung von Office-Makros, dürfte die c’t in Sachen Software-Artikel kaum als “progressiv” gelten.
Verglichen mit den anderen deutschen Computerzeitschriften, ragt die c’t heraus. Kein Zweifel. Aber sie hat sich in eine andere Richtung bewegt und sie interessiert mich nicht mehr.
Ja, das ist ein sehr guter Artikel, dem ich mich voll und ganz anschließen kann. Dieses Marktsegment hat seine Kunden ziemlich aus den Augen verloren und schielt nur noch auf die Konkurrenz. Die Folge: Die Hefte sind austauschbar und stossen mich zudem (die c’t einmal ausgenommen) schon durch die marktschreierische Aufmachung ab.
Vielleicht entstehen mit der Zeit ja interessante IT-Blogs, so dass man die Zeitschriften allesamt getrost am Kiosk liegen lassen kann. In den USA ist man mit Blogs wie TechCrunch oder MobileCrunch (je nach Interessenslage) ja schon sehr gut informiert.
Vielleicht schreiben Sie mal über die einschlägige Szene in Deutschland? Entwickelt sich da was?
ich muss sagen, dass ich die c’t schon seit laengerem nicht mehr so ausfuehrlich lese wie frueher. die qualitaet der artikel hat im vergleich zu vor einigen jahren ungefaehr in umgekehrtem masse zur dicke des heftes abgenommen.
bei testberichten ist die c’t allerdings noch immer das einzige medium das in meinen augen objektiv wirkt. alle anderen haben entweder so viel werbung im heft, dass der beste anzeigenkunde auch die testberichte diktieren koennen muss oder sind so unglaublich unserioes aufgemacht (bild-maessige ueberschriften sowohl was inhalt als auch groesse angeht), dass der test kaum besser sein kann.