(Bildunterschrift: Die Oberarme von Madonna sind quasi wie Bette Davis Augen. Ein Schönheitsideal also. Sagen zumindest manche Frauen. )
Meine Damen und Herren, es gibt eine Rubrik, die meinen Blog vor langer Zeit mal groß gemacht. Die Rede ist von den Tagebüchern eines Arbeitslosen.
Heute möchte ich eine neue Serie beginnen. Das Tagebuch einer Renovierung stammt allerdings nicht aus meiner Feder. Die Autorin ist die von mir sehr geschätzte Text-Tanja. Sie hat mir auch großzügiger Weise erlaubt ihre Tagebucheinträge hier zu veröffentlichen. Jetzt aber Bühne frei für Text-Tanja und ihr Rennovierungstagebuch – freuen Sie sich mit mir auf einen großen Lesespaß.
Kurz zur Vorgeschichte, Tanja und ihr Göttergatte Ulf (der in dieser Beziehung eigentlich die wirkliche Frau ist) waren langelangelangelangelange (drei oder vier Jahre?) auf der Suche nach einem schönen Haus. Nun haben Sie es endlich gefunden. Bevor Sie mit den Renovierungsarbeiten anfangen konnten, mussten Sie aber zuerst noch mit renitenten Mietnomaden und betrügerische Verkäufer fertig werden. Jetzt ist es endlich soweit. Der erste Rennovierungstag steht an:
7.00 Uhr: Lege letzte Hand an die renovierungskompatible Frisur. Sitzt, wackelt und hat Luft. Bin aufgeregt. Endlich aktiv werden. Yes.
7.30 Uhr: Treffe mit allen wichtigen Utensilien bei der Hütte ein: Kasten Bier, Apfelschorle, Butterbrezen und Adventskalender. Denke, wir gelten somit als eingezogen.
7.34 Uhr: Bekomme erste wichtige Aufgabe zugewiesen. Darf Kaffee kochen. Stelle fest, dass ich den Deckel der Thermoskanne vergessen habe. Fühle mich schuldig.
7.36 Uhr: Versuche, Kontakt zum Fenstermann aufzunehmen. Behauptet, ich hätte mit ihm telefoniert. Kommt beinahe zum Eklat, bis sich herausstellt, dass meine Mutter ihn kontaktiert hat. Bin kurz empört, dass sie sich als mich ausgibt, schließlich bin ich Bauherrin. Dann fällt mir ein, dass sie ja auch Palesch heißt.
7. 47 Uhr: Hitzige Diskussion über die Heizkörper in der Küche. Liegen völlig sinnlos da, wo ich die Arbeitsfläche haben will. Werde angewiesen, meine Vorstellungen zu ändern. Stelle auf stur und behaupte, von einer kongenialen Heizlösung im Internet gelesen zu haben, die das Problem löst.
8.00 Uhr: Vatern hämmert wie wild im Bad. Will auch zerstören, darf aber nicht mitmachen. Soll stattdessen den Fliesenspiegel der Ex-Küche entfernen.
8.01 Uhr: Aug in Auge mit der ersten Fliesenspiegel-Fliese. Fühle mich siegessicher.
8.02 Uhr: Sieg auf voller Linie. Rostrot-Fliese liegt zerstört am Boden. Erwäge kurz, gleich einen Schutteimer drunterzustellen, bin aber so beseelt von meinem Erfolg, dass ich weiterhämmere.
8.03 Uhr: Fliese zwei gibt sich störrisch. Arbeite wie ein Beserker, das Biest will nicht. Wehrt sich schließlich – und gewinnt. Blute wie ein Schwein aus einer Schnittwunde am Finger. Beschließe kleinlaut, Arbeitshandschuhe zu besorgen.
8.30 Uhr: Bin stolze Besitzerin eines Dreierpacks Arbeitshandschuhe. Stirb, Fliese!
9.00 Uhr: Der Fliesenspiegel hat keine Chance. Habe schon glorreiche vier Fliesen entfernt. Kann sich nur noch um Stunden handeln. Nun gut, schwierige Arbeiten brauchen Zeit.
9.30 Uhr: Sechs Fliesen später taucht der Küchenmann auf. Beichte schuldbewusst die Sache mit den Heizkörpern. Nehme innerlich Abschied von meiner Arbeitsfläche.
9.32 Uhr: Hossa! Na also. Wunderheizlösung existiert tatsächlich. Halte mich für Bauprophetin.
10.30 Uhr: Küchenmann hat mir neue Küche erklärt. Kann die alte mitnehmen, muss aber mit dem linksdrehenden Besenschrank leben. Bin großzügig, immerhin geben andere für linksdrehende Milchsäuren viel Geld aus, da stecke ich so einen Schrank locker weg.
12.00 Uhr: Fliesenspiegel ist weg. Will jetzt größere Sachen zerstören. Darf aber immer noch nicht. Schmolle und esse Vatern die letzte Butterbreze weg. Der lässt mich nur Fliesenspiegelschutt wegkehren. Fühle mich diskriminiert.
13.00 Uhr: Muss Vatern helfen, Gussbadewanne ins Nebenzimmer zu tragen. Will lieber wieder kehren und Kaffee kochen.
14.00 Uhr: Fenstermann kommt, sieht das Giebelelement und runzelt die Stirn. Ahne Böses.
15.00 Uhr: Fenstermann verabschiedet sich beschwingt. Befürchte, er ist guter Laune, weil er großen Auftrag wittert.
16.00 Uhr: Entdecke im Treppenhaus Schalter mit der Beschriftung “Auf” und “Ab”. Bin wie elektrisiert: Haben wir etwa einen versteckten Aufzug? Mache mich auf die Suche.
16.30 Uhr: Kein Aufzug. Kann aber nicht weitersuchen, muss Schutt zum Fenster rauslassen.
16.31 Uhr: Finger blöd eingeklemmt und Seil durch die Hände flutschen lassen. Denke plötzlich wieder an Arbeitshandschuhe.
16.45: Mit Arbeitshandschuhen bin ich der King. Lasse zwar nur Kübel mit wenig Füllung nach unten, habe diese zuvor aber äußerst sorgfältig und liebevoll eingefüllt.
17.00 Uhr: Spüre meine Arme nicht mehr. Halte das für ein gutes Zeichen. Rechne damit, in einer Woche Oberarme wie Madonna zu haben.
17.30 Uhr: Der Kaffee ist kalt, weil ich den Thermoskannendeckel vergessen habe. Ernte strafende Blicke. Hebe den Arm madonnalässig und verabschiede mich.
17.45 Uhr: Wieder in der Mietwohnung. Fühlt sich fremd an.
[...] Vielleicht können sich noch ein paar der Leser hier an Text-Tanja und ihr Tagebuch einer Renovierung erinnern. Jetzt ist die Hütte fertig. Also quasi. Gleich nach dem Einzug zeigten die Katzen allerdings ihr wahres Gesicht. Text-Tanja, Unfug-Ulf und ihre Katzen-Katzen… Unsere Katzen sind doof. Seit wir in der Hütte wohnen, scheint es bei ihnen out zu sein, sich aus dem immer wohl gefüllten Trinknapf die notwendige Flüssigkeit einzuverleiben. [...]